Campuspark

Audio-Podcast: 7:30 min.


Kennen Sie… den Campuspark?

Die Uni auf der Grünen Wiese. So bezeichnet man gerne Campus-Universitäten, die außerhalb der Stadtzentren liegen. Doch das, was den Trierer Campus auszeichnet, ist weitaus mehr als eine grüne Wiese. Der Campuspark ist das wichtigste Gartenprojekt des 20. Jahrhunderts in der Region Trier. Über fast drei Jahrzehnte wird er zu einem außergewöhnlichen Landschafts- und Skulpturenpark geformt. Der großzügige Raum auf dem Tarforster Plateau ist im Laufe der Zeit eins geworden mit dem Petrisberg und seinem Wissenschaftspark.

Zu Beginn der Planungen für die neue Universität Trier steht die Idee eines neuen Stadtteils für die akademische Institution, die schnell ausgeweitet wird. Schon 1970, als ein Miteinander von Architekten und Landschaftsgestaltern bei Großvorhaben noch nicht selbstverständlich war, sollte auf dem Tarforster Plateau schon mehr als Anstandsgrün in Form von Ausgleichspflanzungen zum Werden eines angenehmen Ortes beitragen.

Die ersten Planungen Friedrich Spengelins sehen indes wenig bewusste Gestaltung der Landschaft vor. Seine Idee, alle Gebäude um einen zentralen Marktplatz und an einer Art Band zu gruppieren, sieht die Natur eher als umgebendes Element. Aus der Mitte dieser neuen Stadt hätte allein der naturgegebene Blick in dieselbe eine Verbindung hergestellt. Die streng gerasterten Gebäude sind so geplant, dass sie sich aufgeständert in die Landschaft hineingefräst und so selbst eine eigene Ebene gebildet hätten. Einer abwechslungsreichen Landschaftsgestalt stand neben der Dimension der Baumassen und der Einsilbigkeit des architektonischen Vokabulars vor allem die städtebauliche Auffassung diametral entgegen.

Mit der Gruppe Hochschulbau, die auch das Landschaftskonzept vor allem unter der Leitung von Konrad Müller neu denkt, beginnt die gezielte Formung des Campusparks. Die mit ihrer Nutzung nun definierten Gebäude nehmen Bezug auf die Landschaft und werden Teil ihrer Umgebung. Die Farbgestaltung der Bauten reagiert auf die angrenzenden Bepflanzungen, die ihrerseits Teil des homogenen Ganzen ist. Für jedes Gebäude werden die passenden Pflanzen individuell ausgewählt.

Die Verwandtschaft des Trierer Campusparks zum Münchner Olympiapark aus dem Jahr 1972 ist kein Zufall. Das, was Günther Behnisch als Zusammenspiel von gestalteter Natur und Architektur umsetzt, ist Konrad Müller bestens bekannt. Denn der Trierer Leiter des Hochschulbauteams arbeitet im Büro Behnisch & Partner zwischen 1969 und 1972 am Olympiapark mit. Die Erfahrungen, die er dabei gewinnt, regen ihn dazu an, die „Großform der Tarforster Höhe“ mittels bewegtem Bodenprofil, Wasser und Gehölzen in eine plastisch geformte Parklandschaft zu verwandeln. Dieses im Detail schlüssige und flexible Konzept kann während der langen Verwirklichungszeit immer wieder modifiziert werden.

Wie in München sind die natürlichen Voraussetzungen durch charakteristische gartenkünstlerische Elemente gesteigert: die Baumassen werden durch Vertiefung und Aufschüttung des Erdaushubs reduziert. Dadurch entsteht eine neue Topographie aus begrünten Hügeln und Mulden, durch die gewundene Haupt- und Nebenwege führen. Zugunsten des Landschaftseindrucks wird bewusst auf repräsentative, pflegeintensive Blumen- und Staudenrabatten verzichtet. Flächen werden akzentuiert und erhalten Charakter durch angrenzende Gewässer, Rasen, Wiesen oder bodendeckende Gehölze.

Die Vegetation baut auch optisch aufeinander auf, grüne Ebenen werden durch Bodendecker, Sträucher und Bäume gestaltet. Heimische und exotische Gehölze wie ein Tulpenbaum, Azaleen oder Rhododendren sind gleichermaßen zu finden. Insgesamt hat der Campuspark die Form eines klassischen Landschaftsgartens, kombiniert mit einer botanischen Vielfalt. Kastanien, Eichen, Kiefern, Hängeeschen und andere Bäume bilden angenehme Schattenzonen. Seit Ende der achtziger Jahre werden die Rasenflächen nicht mehr nach den Regeln des Golfrasens gepflegt, sondern seltener gemäht. Ganz natürlich entstanden sind so artenreiche Kräuter- und Blumenwiesen.

Ganz wesentliche Gestaltungselemente im Campuspark sind die zahlreichen Kunstwerke, die spannende Sichtachsen bilden und eine auffallende Parallele zur Gartentradition darstellen. Kunst und Natur gehen immer wieder überraschende Verbindungen ein. Schön zu sehen ist dies in dem schmalen Wasserlauf neben der Mensa. Der Bauplastiker Hubert Benatzky gestaltet Terrassen, über die das Wasser in einen der beiden Seen fließt.

Das markanteste Kunstwerk auf dem Campus steht auf einem künstlich angelegten Hügel vor dem D-Gebäude. Dort, wo Psychologen ausgebildet werden, nimmt Waldemar Ottos monumentaler Laokoon sich ausreichend Raum in der Landschaft. Dies sind nur zwei Beispiele für Kunst am Bau, die aus dem Campus eine Art Freilichtmuseum moderner Skulptur werden lassen.

Der Weg der Monolithe führt Wissenschaft und Kunst in Form eines geologischen Lehrpfads zusammen und führt vom Campus I auf der Tarforster Höhe zum Campus II, dem ehemaligen Militärhospital auf den Petrisberg. Der Weg der Monolithe ist eine gelungene Verbindung von Land-Art und Schausammlung des Faches Geowissenschaften. Zu entdecken sind hier Quarzitbrocken vom Taunus und Lavabomben aus der Eifel. Granit aus Afrika lässt sich mit Gestein aus dem Fichtelgebirge vergleichen. Einprägsame Objekte oder sights sind das monumentale Tor aus Carraramarmor und die aus Basaltsäulen gebildete Pyramide. Eine Art Naturdenkmal bildet der einundsechzig Tonnen schwere Taunusquarzit, der als Findling heute in der Nähe der Mensa liegt.

Der Campuspark der Universität Trier hat mit seinem ausgewogenen organischen Verhältnis von Landschaft und Architektur nicht nur Bezüge zur Gestaltung des Olympiaparks in München. Schon zu Begin des 20. Jahrhunderts wird organische Gestaltung in der Zeit des Neuen Bauens gedacht und entwickelt. Einer der ersten, der in seinem 1920 erschienen Werk „Die Auflösung der Städte“ über utopisch anmutende „Naturstädte“ nachdachte, war Bruno Taut. Hier stellt er eine aus der Gartenstadt entwickelte Landschafts-Stadt vor – kleine Cluster für individuelle oder gemeinschaftliche Lebensformen.

2013 zeichnet der Bund deutscher Landschaftsarchitekten zu seinem 100. Geburtstag 100 Orte als ‚besondere Orte’ aus. Unter diesen besonderen Orten findet sich auch der Uni-Campus Trier.

Alle Kunstwerke des Campus I und des Campus II sind am besten zu entdecken mit der App „KunstCampus“ oder dem Faltplan auf der Website der Universität. Hier erfährt man die genauen Orte, Wissenswertes zu den Künstlern und deren Ideen.

 

Die Informationen zu diesem Podcast entstammen zum größten Teil den Aufsätzen Barbara Mikuda-Hüttel und Bernd Nicolai aus dem Band: Auf der grünen Wiese. Die Universität Trier. Architektur. Kunst. Landschaft“, Trier 2004. Zur Vertiefung sei das Buch wärmstens empfohlen!

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